Oder: Wie man Stromleitungen vergräbt, um den Streit an der Oberfläche zu führen.
SuedLink ist eines der zentralen Infrastrukturprojekte der deutschen Energiewende. Ziel ist der Transport von Strom aus windreichen Regionen im Norden in die industriellen Zentren im Süden. Technisch handelt es sich um eine Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitung – politisch um eine Daueraufgabe.
Worum geht es?
SuedLink besteht aus zwei großen Stromtrassen, die Strom aus Norddeutschland nach Bayern und Baden-Württemberg transportieren sollen. Die Leitungen werden überwiegend erdverlegt, nachdem Freileitungen auf massiven Widerstand gestoßen waren.
Das Projekt soll helfen, Versorgungssicherheit zu gewährleisten und den Ausstieg aus Kern- und Kohlekraft abzufedern. Kurz gesagt: Der Strom ist da – nur nicht dort, wo er gebraucht wird.
Zeitplan
- Planungsbeginn: ab 2013
- Ursprünglich geplante Inbetriebnahme: ca. 2022
- Aktuell geplante Inbetriebnahme: 2028–2030 (je nach Abschnitt)
Der Zeitplan wurde mehrfach angepasst. Grund dafür sind unter anderem neue politische Vorgaben (Erdverkabelung), umfangreiche Genehmigungsverfahren und Klagen entlang der Trasse.
Die Energiewende ist damit weiterhin ein ambitioniertes Ziel – mit verlängertem Vorlauf.
Kosten
- Ursprünglich geschätzte Kosten: ca. 10 Mrd. €
- Aktuelle Schätzung: rund 10–12 Mrd. €
Die Umstellung auf Erdverkabelung erhöhte die Kosten deutlich, gilt politisch aber als notwendiger Kompromiss. Die Mehrkosten tragen letztlich die Stromverbraucher – verteilt, zuverlässig und monatlich.
Projektträger & Verantwortung
- Projektträger:
- TenneT TSO GmbH
- TransnetBW GmbH
- Politische Verantwortung:
- Bund (Energiewirtschaftsgesetz, Netzausbauplanung)
- Bundesnetzagentur (Genehmigung)
Parteipolitisch wird SuedLink seit Jahren übergreifend unterstützt, da es weniger um Ideologie als um Physik geht.
Kontroversen
Kritik entzündet sich vor allem an:
- Trassenführung
- Bauarbeiten in sensiblen Gebieten
- Kosten und Entschädigungen
Auffällig ist, dass sich Widerstand selten gegen das Ziel richtet, sondern fast immer gegen den konkreten Verlauf. Strom soll fließen – nur bitte woanders.
Systemrelevanz
SuedLink ist hoch systemrelevant:
- ohne die Trassen drohen Netzengpässe
- Redispatch-Kosten steigen
- Versorgungssicherheit wird teurer, nicht besser
Im Unterschied zu vielen Projekten ist hier der Nutzen messbar – vor allem dann, wenn das Projekt nicht rechtzeitig fertig wird.
Fazit
SuedLink ist kein Prestigeprojekt und kein Symbolbau. Es ist ein technisches Notwendigkeitsprojekt, das zeigt, wie schwer sich moderne Gesellschaften mit Infrastruktur tun, die man nicht sehen möchte, aber dringend braucht.
Oder anders gesagt:
Ohne SuedLink wird die Energiewende nicht scheitern – sie wird nur sehr teuer.
